Porsche 993, 993 Carrera S & 993 Turbo – Die letzten luftgekühlten 911-Legenden im Porträt
08.11.2025
Der Porsche 993 besticht durch sein zeitloses Design und gilt als Ikone der luftgekühlten 911-Ära.
Der Porsche 993 – intern Typ 993 genannt – repräsentiert die vierte Generation des legendären Porsche 911 und wurde von 1993 bis 1998 gebaut. Als letzter luftgekühlter 911 genießt der 993 Kultstatus unter Porsche-Enthusiastinnen und -Enthusiasten. Sein Design markiert eine gelungene Synthese aus klassischer 911-Linie und moderner Technik: Er war der erste 911 mit integrierten Stoßfängern und flacheren, elliptischen Frontscheinwerfern. Viele Liebhaberinnen und Liebhaber betrachten den 993 bis heute als eine der schönsten 911-Modelle. In diesem Ratgeber betrachten wir die verschiedenen Modellvarianten (vom Carrera über 993 Carrera S bis zum 993 Turbo), geben Tipps zum Kauf eines gebrauchten 993 und beleuchten die Wertentwicklung dieses gesuchten Klassikers.
Modelle und Varianten des Porsche 993
Karosserievarianten
Den Porsche 993 gab es als Coupé, Cabriolet und – erstmals mit einem Ganzglasdach – als Targa. Das Coupé war bei Sportfahrerinnen und Sportfahrern besonders beliebt, während das 993 Cabriolet offenes Fahrvergnügen bot. Die 993 Targa (ab Modelljahr 1996) verfügte über ein elektrisches Panorama-Glasdach statt des bisherigen abnehmbaren Dachteils. Dieses neuartige Targadach ermöglicht ein großes Öffnungsgefühl, gilt jedoch als technisch anspruchsvoll – Käuferinnen und Käufer sollten prüfen, ob Mechanik und Dichtungen einwandfrei funktionieren, da Reparaturen aufwendig sein können. Insgesamt entstanden etwa 27.900 Carrera-Coupés, 17.900 Cabriolets und 4.600 Targa-Modelle des Porsche 993, was die Targa zur exklusivsten Karosserievariante macht.

Motor und Antrieb
Alle Porsche 993 Carrera besitzen einen 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxermotor (Typ M64) mit Luftkühlung. Die Basisleistung betrug zunächst 272 PS, ab 1995/96 dank des neuen Varioram-Einlasssystems 285 PS. Serienmäßig hatten alle Carrera-Modelle ein 6-Gang-Schaltgetriebe – erstmals bei einem 911 – und optional eine 4-Gang-Automatik (Tiptronic). Der 993 führte zudem eine neu entwickelte Mehrlenker-Hinterachse (LSA-Achse) ein, die das Fahrverhalten deutlich harmonischer und sicherer machte. Neben dem klassischen Heckantrieb (Carrera 2 bzw. Carrera) bot Porsche auch einen Allradantrieb an: den Carrera 4, der ab 1995 verfügbar war. Der Allrad-993 nutzt eine Visko-Kupplung und bringt nur ca. 50 kg Mehrgewicht mit sich, was die Agilität kaum beeinträchtigt. Im Alltag bietet der Carrera 4 durch die verbesserte Traktion besonders bei Nässe spürbare Vorteile.
Technische Daten im Modellvergleich
| Modell | Baujahre | Motor | Leistung (PS) | 0–100 km/h | Vmax (km/h) |
|---|---|---|---|---|---|
| Carrera (C2/C4) | 1993–1998 | 3,6 l M64 | 272 / 285 | ca. 5,3 s | ca. 270 |
| Carrera S / 4S | 1996–1997 | 3,6 l M64 Varioram | 285 | ca. 5,3 s | ca. 270 |
| Turbo | 1995–1998 | 3,6 l Biturbo M64/60 | 408 | ca. 4,5 s | ca. 290 |
| Turbo S | 1997 | 3,6 l Biturbo M64/60S | 450 | ca. 4,1 s | ca. 300 |
| Carrera RS | 1995–1996 | 3,8 l M64/20 | 300 | ca. 4,7 s | ca. 277 |
| GT2 | 1995–1998 | 3,6 l Biturbo M64/81 | 430 / 450 | ca. 4,0 s | ca. 300 |
Porsche 993 Carrera (Coupé, Cabrio, Targa)
Der 993 Carrera bildet die Basismodelle der Baureihe. Er war als Carrera 2 (Heckantrieb) und Carrera 4 (Allrad) erhältlich, jeweils in den Karosserieformen Coupé und Cabriolet – ab 1996 kam zusätzlich der Targa mit Glasdach hinzu. Die Motorleistung beträgt 272 PS (bzw. 285 PS ab 1996 mit Varioram). Trotz modernerem Fahrwerk und etwas mehr Komfort bewahrte der 993 Carrera den typischen Charakter des 911: Er klingt kraftvoll, dreht willig hoch und bietet in Verbindung mit dem relativ geringen Gewicht ein begeisterndes Fahrerlebnis. Die Sprintzeit 0–100 km/h liegt bei ca. 5,3 Sekunden (Schalter, Coupé) und die Spitze bei rund 270 km/h – beeindruckende Werte für die 90er-Jahre. Ab Werk waren 17-Zoll-Felgen Serie, teils zweigeteilte Designs beim Targa; 18-Zoll-Räder waren optional oder serienmäßig bei späteren Varianten erhältlich. Innenraumseitig bietet der 993 Carrera ein klassisches 2+2-Cockpit mit verbessertem Klimabedienteil und Airbags; optional gab es Lederausstattung, Klimaanlage und sogar bereits moderne Annehmlichkeiten wie eine Bordcomputer-Anzeige oder vollelektrische Sitze (serienmäßig z.B. im Carrera 4S).
Ein besonderes Augenmerk verdient die Targa-Version: Durch das große Glasdach wirkt der Innenraum sehr lichtdurchflutet, allerdings neigt das Glas im Sommer zu hoher Wärmeentwicklung im Fahrzeug. Auch sind Knarzgeräusche und Verschleiß am komplexen Dachmechanismus bekannt. Beim Cabriolet sorgte Porsche im Vergleich zum Vorgänger (964) für Verbesserungen: Das elektrische Verdeck lässt sich nun auch bei eingeschalteter Zündung (mit angezogener Handbremse) öffnen, und es gab optional einen integrierten Windschott für zugfreies Offenfahren. Insgesamt ist der 993 Carrera für viele Enthusiastinnen und Enthusiasten der Höhepunkt der luftgekühlten Ära – Alltagstauglichkeit und klassischer Sportwagencharme finden hier zu einer idealen Balance.
Porsche 993 Carrera S und Carrera 4S (Widebody)
1996 führte Porsche den Carrera 4S ein, gefolgt 1997 vom Carrera S. Diese S-Modelle kombinieren die Technik des Carrera mit der breiten Karosserie des Turbo. Optisch erkennt man sie an den verbreiterten hinteren Kotflügeln und dem festen Heckflügel (elektrisch ausfahrender Spoiler) im Turbo-Look. Technisch hat der 993 Carrera 4S den Allradantrieb und – als Bonus – die Bremsanlage sowie das Fahrwerk des 911 Turbo, was ihm eine überlegene Verzögerung und Straßenlage verleiht. Der Carrera S hingegen ist heckgetrieben und etwas leichter, wodurch er in der Beschleunigung minimal schneller sein kann als der 4S. Beide leisten 285 PS (identischer 3.6-Motor wie Carrera). Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Heckflügel: Beim Carrera S sind die Luftschlitze im ausfahrbaren Spoiler mittig unterteilt, beim 4S nicht. Ein Carrera S Cabriolet wurde von Porsche offiziell nicht angeboten, jedoch wurden einige wenige Exemplare (ca. 5 Stück) über das Exclusive-Programm auf Kundenwunsch gebaut. Aufgrund ihrer begehrten Optik und begrenzten Stückzahl sind besonders der Carrera S und 4S heute sehr gesucht. Von der Carrera 4S entstanden insgesamt 6.948 Exemplare, vom Carrera S lediglich 3.714. Als Krönung der Carrera-Modellreihe gilt vielen der Carrera S – er vereint die schöne Turbo-Optik mit der klassischen Heckantriebsfahrdynamik.


Porsche 993 Turbo und Turbo S
Das Topmodell der Straßenversionen war der Porsche 993 Turbo, der ab 1995/96 verfügbar war. Er war der erste 911 Turbo mit Allradantrieb, was die Traktion der 408 PS starken Maschine effizient auf die Straße brachte. Sein 3,6-Liter-Biturbo-Boxer (Typ M64/60) leistet 408 PS (300 kW) und beschleunigt den Turbo in ca. 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Auffällig sind die um ~6 cm verbreiterten Kotflügel und der feste Heckflügel mit Lufteinlässen für die Ladeluftkühler. Ab Werk rollte der 993 Turbo auf speziellen 18-Zoll-Hohlspiegel-Felgen von Speedline, die nicht nur optisch überzeugen, sondern auch Gewicht sparen. 1997 krönte Porsche die Baureihe mit dem 993 Turbo S, gefertigt in der Porsche-Exclusive-Manufaktur. Der Turbo S erhielt größere Turbolader (KKK K24), einen zusätzlichen Ölkühler und eine geänderte Motronic, was die Leistung auf 450 PS steigerte. Er ist äußerlich an gelben Bremssätteln, zusätzlichen Lufteinlässen neben den Frontblinkern und der vierflutigen Auspuffanlage erkennbar. Der Turbo S war auf 345 Exemplare limitiert und markiert den letzten luftgekühlten 911 Turbo überhaupt. Eine Besonderheit stellt der Werksleistungssteigerungs-Kit (WLS) für den 993 Turbo dar: Porsche bot für den normalen Turbo optional zwei Leistungsupgrades an. Das Paket WLS I (Code X50) erhöhte mittels größerer Lader, geänderter ECU und zusätzlichen Ölkühlers die Leistung von 408 auf ca. 430 PS. Später gab es in sehr limitierter Zahl auch das WLS II-Paket, das im Prinzip den Motor auf Turbo-S-Spezifikation (450 PS) brachte. Ein so ausgerüsteter Turbo besitzt die volle Turbo-S-Performance, jedoch ohne die optischen Merkmale des Turbo S – ein echter Wolf im Schafspelz. Käuferinnen und Käufer sollten darauf achten, ob ein angebotener 993 Turbo das X50-Paket hat, da dieser Wert erheblich erhöht und die Fahrleistungen nochmals verbessert. Wussten Sie? Vor Markteinführung des 993 Turbo Coupé fertigte Porsche im Jahr 1995 eine mikro-kleine Serie von 993 Turbo Cabriolets – lediglich 14 Stück wurden über das Exclusive-Programm gebaut. Diese Cabrio-Turbos besaßen noch den single-Turbo-Motor des 964 Turbo 3.6 mit ca. 360 PS und gelten heute als äußerst rar und begehrt. Auch entstanden zwei individuelle 993 Speedster (ohne Verdeck): Einer für Ferdinand “Butzi” Porsche zum 60. Geburtstag (dunkelgrün) und ein zweiter in Silber für den US-Komiker Jerry Seinfeld. Diese Einzelstücke unterstreichen den Sonderstatus des 993 in der Porsche-Historie.
Porsche 993 Carrera RS und GT2
Für Puristinnen, Puristen und Rennstreckenfans brachte Porsche mit dem 993 Carrera RS 1995 ein Leichtbau-Modell heraus, das auf Performance getrimmt war. Der RS verfügt über einen auf 3,8 Liter vergrößerten Saugmotor mit 300 PS und ein abgespecktes Fahrzeuggewicht von nur ca. 1.280 kg. Durch den Verzicht auf Rücksitze, Dämmmaterial und Komfort sowie den Einsatz von dünnerem Glas, Aluminiummotorhaube und festem Heckflügel wurde der RS deutlich leichter als der Serien-Carrera. Optional gab es ein noch radikaleres Clubsport-Paket (Überrollkäfig, Schalensitze, kein Radio/Klimaanlage) für den RS. Insgesamt wurden rund 1.014 Stück des 993 Carrera RS gebaut, davon 227 als Clubsport-Version. Der RS ist nicht für den US-Markt zugelassen, genießt aber in Europa Kultstatus und erzielt hohe Sammlerpreise. Das absolute Top-Straßenmodell war der Porsche 993 GT2, eine Homologationsversion auf Basis des Turbo für den Motorsport. Weil ab Mitte der 90er im GT-Rennsport Allrad verboten wurde, entwickelte Porsche den GT2 mit Heckantrieb und deutlich reduziertem Gewicht. Die Kotflügel des GT2 sind extrem ausgestellt und mit vernieteten Verbreiterungen versehen, um Platz für die breiten Rennreifen zu schaffen. Der 3,6-Biturbo leistet in der Straßenversion ca. 430 PS (spätere Evolutionsstufe 450 PS). Innen geht es spartanisch zu – ähnlich dem RS wurden Rücksitze entfernt und nur das Nötigste belassen. Von diesen straßenzugelassenen GT2 entstanden nur ungefähr 57 Exemplare weltweit, was den 993 GT2 zu einem der rarsten und teuersten 911 überhaupt macht (Auktionsergebnisse liegen mittlerweile im siebenstelligen Euro-Bereich). Zusätzlich baute Porsche für den reinen Rennbetrieb etwa 45 Exemplare des 993 Carrera RSR 3.8 (Cup-Rennwagen) sowie ca. 20 Stück des GT2 EVO (GT2 Clubsport) für die FIA-GT-Klasse. Diese Modelle sind heute gesuchte Sammlerobjekte und beweisen die Motorsport-DNA des 993.
Kaufberatung: Worauf beim Porsche 993 achten?
Der Porsche 993 gilt als robustester und ausgereiftester Klassiker unter den luftgekühlten 911. Dennoch sind viele Fahrzeuge inzwischen über 25 Jahre alt, sodass beim Kauf einige Punkte beachtet werden sollten, um teure Überraschungen zu vermeiden. Hier eine Übersicht wichtiger Aspekte:Karosserie & Rost
Dank vollverzinkter Karosserie ist Rost beim 993 selten, aber nicht unbekannt. Besonders die Windschutzscheibenrahmen sind ein Schwachpunkt – unsachgemäße Scheibentausch-Arbeiten können hier zu Rostbildung an den Ecken führen. Prüfen Sie die Gummidichtungen und heben Sie sie vorsichtig in den Ecken an, um versteckte Blasen zu entdecken. Auch unter der Kofferraum-Matte im Bug kann man Unfall- oder Reparaturspuren erkennen. Beschädigte Unterbodenverkleidungen deuten auf schlechte Wartung oder Bordsteinkontakte hin. Zudem sind die Türfangbänder eine bekannte Schwäche – ein knackendes Geräusch beim Öffnen der Türen weist auf defekte Türstopper hin (Ersatz ist aber relativ günstig). Beim Cabriolet sollte überprüft werden, ob das Verdeck korrekt schließt und der elektrische Antrieb einwandfrei funktioniert; Porsche hatte alle 993 Cabs zurückgerufen, um das Verschlussmechanismus zu verbessern. Ein undichter Targa-Dachmechanismus kann teuer in der Instandsetzung sein – hier am besten auf vollständige Funktionsfähigkeit achten oder im Zweifel ein Coupé/Cabrio vorziehen.
Motor & Technik
Der luftgekühlte 3.6-Boxer des 993 gilt als langlebig und weniger anfällig als sein Vorgänger im 964. Porsche eliminierte Probleme wie den doppelten Zündverteiler und das einstellungsbedürftige Ventilspiel – der 993 hat hydraulische Ventilstößel und einen verbesserten Zündverteiler, was Wartung vereinfacht. Dennoch neigen auch 993-Motoren zu Ölverlust: Häufig sind die Kurbelwellendichtringe (vorderes/hinteres Hauptlager) oder die Ventildeckel-Dichtungen undicht. Bei viel Hitze können sich sogar die Ventildeckel selbst verziehen und undicht werden. Achten Sie auf Öltropfen unter dem Fahrzeug und einen sauberen Motor. Kontrollieren Sie auch die Ölleitungen – brüchige Ölleitungen oder undichte Anschlüsse können im schlimmsten Fall zu abruptem Ölverlust führen. Sinkt während der Probefahrt plötzlich der Öldruck, sollte der Motor sofort abgestellt werden, um Schaden zu vermeiden. Ein gewisses Öl-Schwitzen ist bei alten 911 zwar normal, doch größere Leckagen müssen behoben werden. Ebenfalls wichtig: Luftgekühlte Boxer konsumieren etwas Öl – ca. 1 Liter auf 1.000 km kann normal sein, bei viel Kurzstrecken auch mehr (bis ~1,5 l/1000 km). Blauer Rauch beim Kaltstart deutet auf Öl, das an den Kolbenringen oder Ventilführungen vorbei in den Brennraum gelangt – ein paar Sekunden Rauch sind meist unbedenklich, aber anhaltendes Qualmen oder hoher Verbrauch (>2 l/1000 km) sollten untersucht werden.
Getriebe & Kupplung
Das 6-Gang-Schaltgetriebe G50/20 ist generell als sehr robust bekannt. Eine schwergängige Schaltung oder Kratzgeräusche beim Gangwechsel könnten aber auf Kupplungsverschleiß oder Synchronring-Probleme hinweisen – insbesondere der Wechsel 2->3 kann bei verschlissener Kupplung haken. Die hydraulische Kupplungsbetätigung (Geber-/Nehmerzylinder) kann mit der Zeit undicht werden, was sich in einem schwammigen Kupplungspedal zeigt. Auch die Motor- und Getriebelager sind nach >20 Jahren oft gewechselt worden – verschlissene Lager erkennt man an stärkeren Vibrationen im Innenraum oder Poltergeräuschen. Beim Allradler Carrera 4 sollte geprüft werden, ob das Allradsystem (viskose Kupplung) sauber arbeitet – ungewöhnliche Geräusche beim Rangieren könnten auf Differenzial-Probleme deuten (eher selten beim 993).
Fahrwerk & Bremsen
Der 993 profitierte von einem moderneren Fahrwerk als seine Vorgänger, dennoch sind viele Exemplare noch auf ihren ersten Dämpfern unterwegs. Ein schwammiges Fahrgefühl, Poltern auf Unebenheiten oder ungleichmäßiger Reifenverschleiß deuten auf verschlissene Stoßdämpfer oder Lagerbuchsen hin. Besonders die hinteren Querlenkerlager und Koppelstangen verschleißen bei hohen Laufleistungen. Abhilfe schaffen frische Seriendämpfer oder beliebte Upgrade-Kits: Viele Besitzerinnen und Besitzer rüsten auf Bilstein B6/B8 Dämpfer oder komplette Bilstein B12/B16 Gewindefahrwerke um, was Handling und Fahrkomfort verbessert. Prüfen Sie auch die Bremssättel aus Aluminium auf Korrosion – festgegammelte Bremssättel sind teuer in der Überholung. Ein leichtes Rubbeln beim starken Bremsen könnte auf verzogene Bremsscheiben hindeuten. Die Bremsen des 993 sind ansonsten standfest; beim Carrera 4S (mit Turbo-Bremsen) und Turbo bringen sie top Verzögerungswerte, sind aber auch kostspieliger im Tausch.
Elektrik
Elektrische Probleme halten sich beim 993 in Grenzen. Wichtig ist jedoch die Wegfahrsperre (Immobilizer, ab MJ 1995 in EU-Modellen): Stellen Sie sicher, dass alle Schlüssel und Infrarot-Fernbedienungen vorhanden sind und funktionieren, denn ein defekter Schlüssel oder Empfänger kann Startprobleme verursachen. Die kleine Batterie in den Funkschlüsseln sollte frisch sein. Ein Tipp von erfahrenen Fahrerinnen und Fahrern: Führen Sie immer ein Ersatz-DME-Relais mit. Dieses Relais (Steuergerät für Kraftstoffpumpe/Zündung) kann gelegentlich ohne Vorwarnung ausfallen – das Auto springt dann nicht mehr an. Ein Ersatz kostet wenig und kann im Pannenfall mit ein paar Handgriffen gewechselt werden.
Ausstattung & Modifikationen
Überprüfen Sie die Ausstattungsliste (Fahrzeugdatenkarte unter der Haube oder im Serviceheft mit Option-Codes), um festzustellen, ob das Fahrzeug besondere Extras hat. Beim Carrera sind z.B. M033 (Sportfahrwerk) oder M030 (Sportfahrwerk mit strafferer Abstimmung) gefragte Optionen. Auch der erwähnte WLS X51-Motorupgrade (3,8 L mit 300 PS) ist eine Rarität und macht einen Carrera besonders wertvoll. Schauen Sie, ob das originale Radio noch verbaut ist: Ab Werk kamen Becker-Radios (CR-210 oder CDR-21) zum Einsatz. Viele 993 haben mittlerweile modernere Radios erhalten – wer Wert auf Originaloptik legt, kann entweder ein zeitgenössisches Becker Mexiko nachrüsten oder auf das neue Porsche Classic Communication Management (PCCM) setzen, das moderne Technik (Navi, Bluetooth) im Retro-Look bietet. Felgen/Reifen: Originalität spielt beim Werterhalt eine Rolle. Oft wurden nachträglich BBS LeMans (LM) oder andere Felgen montiert – diese sehen sportlich aus, weichen aber vom Werkszustand ab. Originalräder (Cup-Design oder Turbo-Hohlspreichen) steigern die Authentizität. Achten Sie darauf, dass passende Reifendimensionen eingetragen sind (der 993 neigt mit falschen Reifen zu Spurinstabilität).
Historie & Unterlagen
Ein lückenloses Scheckheft und Dokumente über Service und Reparaturen sind beim 993 ein großes Plus. Diese Autos sind wertstabil, sodass viele Besitzerinnen und Besitzer sie gut gepflegt haben. Prüfen Sie, ob regelmäßige Ölwechsel (mind. jährlich) durchgeführt wurden und ob wichtige Wartungen erfolgt sind (Zündkabel, Bremsflüssigkeit alle 2 Jahre, Kupplungswechsel ggf. ab 100tkm, Ventildeckeldichtungen etc.). Ein gut dokumentierter 993 ist in der Regel gepflegt – scheuen Sie Fahrzeuge mit unklarer Historie, auch wenn der Preis verlockend ist. Aufgrund der hohen Werte wurden leider einige 993 aus Unfallwagen wieder aufgebaut oder aus den USA re-importiert – Vorsicht bei fehlender Dokumentation. Eine Porsche Approved-Prüfung oder ein unabhängiger Sachverständiger kann bei Unsicherheiten helfen. Zusammenfassend ist der 993 bei guter Pflege ein sehr zuverlässiger Klassiker. Viele Schwachstellen des Vorgängers 964 wurden ab Werk verbessert. Wichtig sind regelmäßige Wartung und ein kritischer Blick auf mögliche Ölverluststellen und Rost. Lieber etwas mehr für ein top-gepflegtes Exemplar investieren, als einen vermeintlichen Schnäppchen-993, der dann hohe Instandsetzungskosten verursacht.
Markt, Preise und Wertentwicklung
Der Porsche 993 hatte stets den Ruf, preislich stabil oder sogar teuer zu sein. Anders als die Vorgänger (G-Modell und 964), die in den 2000er-Jahren zeitweise günstig zu haben waren, ist der 993 nie richtig billig geworden. Selbst als moderne Wasserkühlermodelle längst auf dem Markt waren, hielt der 993 ein höheres Preisniveau. Dies führte dazu, dass die meisten 993 in Händen von Enthusiastinnen und Enthusiasten blieben, die sich die Unterhaltskosten leisten konnten – viele verbastelte Fahrzeuge gibt es kaum. Kurz gesagt: Wer einen 993 fährt, hat ihn zumeist gepflegt, und wer einen sucht, muss tiefer in die Tasche greifen. In den letzten Jahren haben die Werte der 993 nochmals angezogen. Besonders Top-Modelle erleben eine starke Wertsteigerung. So ist z.B. der Durchschnittspreis für einen Porsche 993 Turbo binnen fünf Jahren um über 50 % gestiegen. Kostete ein 993 Turbo 2019 durchschnittlich noch ~139.000 €, waren es 2024 bereits ~213.000 € im Schnitt. Ähnlich verhält es sich mit limitierten Varianten wie dem Turbo S, GT2 oder RS, die bei Sammlerinnen und Sammlern extrem beliebt sind. Ein 993 Carrera RS in Top-Zustand übersprang schon vor Jahren die 200.000-€-Marke, und ein seltenes Turbo S kann heute über eine halbe Million Euro erzielen (Tendenz steigend). Die breite Masse der Carrera-Modelle liegt preislich zwar darunter, aber auch hier ziehen die Preise an: Für ein solides 993 Carrera Coupé mit vernünftiger Laufleistung und Historie werden 2025 meist deutlich über 80.000 € verlangt; Cabriolets liegen oft etwas niedriger, Targa aufgrund der geringeren Stückzahl eher höher. Coupé-Versionen sind bei Puristinnen und Puristen generell am begehrtesten und erzielen meist die höchsten Preise, während Tiptronic-Modelle oder US-Importe etwas günstiger sein können. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass der 993 sein hohes Preisniveau zumindest halten wird. Große Sprünge nach oben sind zwar unwahrscheinlich, aber ein drastischer Wertverfall ebenfalls nicht in Sicht. Dafür ist der 993 einfach zu ikonisch – als letzter seiner Art markiert er das Ende der klassischen 911-Ära. Wer einen guten 993 besitzt, hält damit einen wertstabilen Klassiker, der bei entsprechender Pflege vermutlich auch künftig seinen Wert bewahren wird. Kurzfristige Marktschwankungen mag es geben, aber die Zeiten, in denen ein 993 für unter 50.000 € zu haben war, sind vorbei. Im Vergleich zu jüngeren Klassikern ist der 993 bereits ein Blue-Chip-Classic.
Porsche 993 im Vergleich zu 964 und 996
Viele Kaufinteressentinnen und -interessenten fragen sich: 993 oder doch sein Vorgänger 964 – oder der Nachfolger 996? Tatsächlich nimmt der 993 eine Sonderrolle ein. Gegenüber dem 911 964 (Baujahre 1989–1993) bietet der 993 spürbare Verbesserungen in Fahrverhalten und Zuverlässigkeit: Die anfälligen Punkte des 964 (Öllecks, Elektrik, Fahrwerk) wurden beim 993 gründlich überarbeitet. Optisch wirkt der 993 mit seinen flachen Scheinwerfern und integrierten Stoßstangen moderner, während der 964 noch die klassische aufrechte Lampenform hat. Für Liebhaberinnen und Liebhaber des ganz Klassischen hat der 964 seinen Reiz, doch der 993 fährt sich insgesamt ausgereifter (und hat z.B. auch Serie schon Servolenkung und ABS, was beim 964 teils noch optional war). Preislich liegen 964 und 993 mittlerweile ähnlich hoch, wobei Spitzenmodelle des 993 (Turbo S, RS) teurer sind als vergleichbare 964-Modelle. Der 911 996 (ab 1998) ist als direkter Nachfolger ein komplett anderes Auto: Er markiert den Umstieg auf Wasserkühlung und ein völlig neues Design (Tropfen-Scheinwerfer, breitere Karosserie). Der 996 bietet mehr modernen Komfort und Leistung zu meist deutlich niedrigeren Preisen – lange galten 996-Modelle als Einstiegs-911 für vergleichsweise wenig Geld. Allerdings hat der 996 nicht den Sammlerstatus des 993, da Design und Motoren (Stichwort IMS-Problematik) kontrovers diskutiert werden. Puristinnen und Puristen schätzen am 993 das luftgekühlte Erlebnis und die Verbindung von klassischem Feeling mit genug Alltagstauglichkeit. Ein 996 fährt sich moderner und ist im Unterhalt oft günstiger, doch als Wertanlage und Emotionalobjekt zieht der 993 den Kürzeren. Viele Porsche-Kennerinnen und -Kenner sagen: Der 993 war der letzte “klassische” 911, der 996 der erste der neuen Ära. Je nach persönlicher Vorliebe kann man beide mögen – doch wer einmal vom 993-Virus infiziert ist, schwört meist auf dieses Modell.
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FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Porsche 993
In welchem Zeitraum wurde der Porsche 993 gebaut?
Von 1993 bis 1998. In den USA 1995–1998. Mit ihm endete die Ära der luftgekühlten 911.
Worin unterscheidet sich der Carrera S vom normalen Carrera?
Der Carrera S (MJ 1997) hat die breite Turbo-Karosserie, 285 PS und Heckantrieb. Optisch und technisch exklusiver.
Wie viel PS hat der Porsche 993 Turbo und Turbo S?
Der 993 Turbo leistet 408 PS, der Turbo S 450 PS mit speziellen Ladern und zusätzlichem Ölkühler.
Warum sind gebrauchte Porsche 993 so teuer?
Letzter luftgekühlter 911, begrenzte Stückzahlen, hohe Nachfrage und robuste Technik machen ihn wertstabil.
Ist der Porsche 993 eine gute Investition?
Ja, gepflegte Exemplare mit Historie sind wertstabil. Primär zählt aber die Leidenschaft, nicht die Rendite

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